Rezension
Pünktlich zum 30-jährigen Bandbestehen haben Lars Besa und seine Mannen ein Jubiläums-Release auf den Markt geworfen, das es in sich hat und als nicht alltäglich zu bezeichnen ist. Die Schwaben haben anstelle eines Live-Mitschnitts (was bestenfalls üblich wäre) gleich einen 60-minütigen Film abgedreht, der dem Zuschauer die Geschichte des Punk in Deutschland etwas näher bringen möchte. Die Handlung ist ziemlich simpel und aus dem Leben gegriffen. Rebellierender Teenie-Punk macht seine ersten Erfahrungen mit der Liebe, Alk, Drogen und Tod. So fängt der Film damit an, dass der „King“ Elvis Presley das Zeitliche segnet und der Vater der Geschichte (geil gespielt von Lars Besa) um sein Idol trauert. Der Film ist sehr kurzweilig und natürlich mit viel Musik unterlegt. Die Highlights des Streifens sind die abendlichen Stammtischphilosophien, die im Dialekt und deutsch untertitelt gezeigt werden. Man kann sehen, dass die komplette Belegschaft wirklich Spaß an dem Ganzen hatte. Wann darf man denn auch schon mal Sätze von sich geben wie „…unter Hitler hät's das nicht gegeben.“ ,“Ein kleiner Hitler gehört wieder her.“ oder „Ich trinke auf die Schande in Deutschland.“? Aber sind das nicht genau die Sprüche, die in fast jeder Kneipe oder bei Opas Geburtstag auf den Tisch kommen? Somit kann man bei aller Freude und allem Spaß, den dieser Streifen macht, das Ganze auch als kritisch bezeichnen, aber NORMAHL haben ja noch nie ihre Meinung für sich behalten. Sowieso muss man das schauspielerische Talent der Band auch mal erwähnen. Lars macht seine Sache richtig gut, Scobo als Dorfbulle ist der Hammer und richtig gut kommt der Berliner Punk Rosenkranz (gespielt von Julian Trostorf) rüber. Für mal eben so zum Spaß runtergedreht ist dieses Filmchen wirklich richtig gut geworden. Nicht zu vergessen ist das interessante Bandfeature in dem die Jungs zu allem Möglichen befragt werden. Besonders geil ist die Geschichte, die sie sich zum Split ausgedacht haben. Schaut's euch selbst an!
Der beiliegende Soundtrack kommt mit 19 Tracks daher, wovon 9 unveröffentlicht sind, und somit wäre die CD alleine schon für die meisten Bands ein Jubiläums-Release wert. Songs wie „Deutsche Waffen“ oder „Durst“ kennen alle NORMAHL-Fans, aber nicht in diesen Versionen, und mit „Darum bleib ich Punk“, “Claudia“ oder „Grosse Chance“ sind auch einige Hymnen vertreten. Wenn hier noch „Fraggles“ und „Wein, Weiber und Gesang“ vertreten wären, wäre das hier die ultimative Kollektion geworden.
Anspieltipps : „Darum bleib ich Punk“ und „Deutsche Waffen“
Fazit
NORMAHL gehören zu den ganz großen Deutsch-Punk-Bands und stehen wohl auf einer Stufe mit SLIME oder DAILY TERROR. „Jong'r“ hat mich in allen Belangen komplett überzeugt und macht einfach nur Laune. Ein sehr guter Querschnitt durch das Schaffen der Band und dann noch der Film und das Band-Feature... das ist Punk und das ist vor allen Dingen value for money!
(Autor: Sascha S., Datum: 16.10.2011 17:12 Uhr)