Rezension
2006 war für die aus Hamburg kommenden Goth-Rocker von MONO INC. ein ereignisreiches Jahr. Nachdem sich die Band von Sänger Miky Mono trennte, übernahm der bisherige Schlagzeuger Martin Engler das Mikrofon. Den nun freigewordenen Platz an den Drums übernahm mit Katha Mia eine Frau, die nicht nur live eine Augenweide ist, sondern ihr Handwerk auch beherrscht. Dies zeigt sich bereits auf dem zweiten Album "Temple of the Torn", welches 2007 als erster Langspieler nach den Veränderungen aufgenommen und veröffentlicht wurde.
MONO INC. präsentieren eingängigen, leicht verdaulichen Gothic-Rock, der sich hier und da im Industrial-Bereich bedient. Wer also nicht auf elektronische Einflüsse in der Musik steht, kann direkt zum Fazit springen, denn er wird mit "Temple of the Torn" wohl keine Freude haben. Dafür bieten die vier Hamburger nicht genug Abwechslung und schwanken zu stark zwischen Licht und Schatten.
Das Licht präsentiert sich in jenen Songs, wo stampfende Riffs und Drums einhergehen mit eingängigem Gesang und markanten Refrains. Dazu gehört der Opener und gleichzeitige Titelsong, welcher in einschlägigen Clubs ebenso die Tanzflächen füllen könnte, wie der dritte Song "The Condemned". Durch flotte Rhythmen und pompöse Keyboard- und Elektroeinlagen erwischt man sich das eine oder andere Mal beim Mitwippen. Überzeugen kann hierbei, wie auf dem gesamten Album, der Gesang von Martin Engler. Dieser Wechsel hat sich ebenso gelohnt wie der Zugang von Katha Mia, welche ihre Sache mehr als solide macht.
Auch "In my heart" und "Avalon", welche beide sehr poppig geraten sind, können überzeugen. Wirklich tiefgründig und überraschend sind die beiden Nummern zwar nicht, dafür gefallen sie durch Leichtigkeit und Unbeschwertheit. Sie schleichen sich wie der allseits bekannte Wurm ins Ohr, bleiben dort und erfordern durch ihre Eingängigkeit nicht allzu viel Aufwand beim Hörvergnügen. Sicherlich etwas, was live oder in Clubs Anklang finden wird.
Wo Licht ist, da muss es auch Schatten geben. Und damit sparen MONO INC. (leider) nicht. "Temple of the Torn" bietet neben den vier genannten Songs nichts weiter herausragendes. Im Gegenteil, im weiteren Verlauf des Albums geht der Band immer mehr die Luft aus. Songs wie "Somberland" oder "Saving Grace" bieten nichts neues mehr und wirken dadurch sehr lahm.
Mit "Just because I love you" befindet sich eine richtig kitschige, vor Schmalz triefende Ballade auf dem Album, welche zwischen dem poppigen "In my heart" und der stampfenden Industrial-Goth-Rock-Nummer "My sick mind TV" absolut Fehl am Platze wirkt und auch nicht zu überzeugen vermag.
Auch die reine Elektro / Industrial - Nummer "Two Sinners", welche ohne Gitarren auskommt, fällt im Vergleich zu den Goth-Rock-Stücken total ab. Der Song ist durch seinen platten Rhythmus zu monoton und dadurch extrem langweilig. Somit ist er auch nichts für die Tanzfläche, denn die Stimmung fehlt gänzlich. Da hilft auch der Gesang von Martin Engler nicht.
Mit "Won't forget this day" und "The Torn Reprise" gibt es dann noch ein Interlude und ein pathetisches Abschluss-Instrumental. Beides hätte man sich in meinen Augen sparen können, da insbesondere das Interlude, welches nahtlos in das folgende "The Condemned" übergeht, überflüssig wirkt.
Fazit
MONO INC. bieten auf "Temple of the Torn" einige gute, aber auch viele lediglich durchschnittliche Nummern. Herausragen können nur der Titelsong, das clubtaugliche "The Condemned" und die beiden poppigen Tracks "In my heart" und "Avalon". Ansonsten wird solider Goth-Rock mit Industrialeinflüssen geboten, der zwar gut gemacht ist, jedoch nichts weltbewegendes darstellt.
"Temple of the Torn" ist ein nettes Album für zwischendurch und wird Fans gothischer Musik sicher die eine oder andere Freude bereiten. Wer jedoch vorher nichts mit dieser Art von Musik anfangen konnte, den werden MONO INC. mit ihrem zweiten Album auch nicht bekehren.
(Autor: Malte H., Datum: 11.07.2011 14:44 Uhr)